Fiktion mit einer Prise
Wissenschaft...

Jean-Claude Dunyach, Science-fiction Autor

Herbert De LartiqueOhne eine genaue Definition von "Science -fiction" geben zu wollen (lieber Gott, lass mich dieser Versuchung widerstehen!), können wir behaupten, dass man bei einer Science-fiction-Geschichte immer erwartet, dass sie zumindest eine wissenschaftliche Komponente - Idee, Theorie, Erfindung oder Paradoxon - enthält, die eng in die Geschichte verwoben ist. Ja, die Anhänger der klassischen Science-fiction behaupten sogar, dass sich eine SF-Geschichte nur in Verbindung mit einer wissenschaftlichen Komponente erzählen lässt. Sie soll Ausgangspunkt der Geschichte sein, ihre Originalität ausmachen und zu ihrer Lösung beitragen.

Wenn ich "wissenschaftlich" sage, meine ich damit alle Wissenschaften, die Kernphysik ebenso wie die Linguistik oder Anthropologie, die Geistes- und Humanwissenschaften, die Mathematik und die Ästhetiktheorien. Am wichtigsten ist, dass es eine Beweisführung und ein Axiom- und Regelwerk und eine Art, die Welt zu rechtfertigen und ihr entgegenzutreten, gibt. Ich komme noch einmal auf die enge Verknüpfung von Fiktion und Wissenschaft zurück. Man kann S-F als Dekor, als Schöpferin von Bildern, als Anstiftern von Situationen verwenden. Wo verläuft die Grenze zwischen S-F und dem Rest? Manchmal ist es schwierig, präzise zu sein. Romeo und Julia einfach nur auf einen anderen Planeten zu verpflanzen, ist keine wirkliche S-F. Romeo und Julia auf eine überirdische Ebene zu versetzen oder zu verfremden, indem man Romeo zu einem Androiden oder Julia zu einer extraterrestrischen Gefangenen in einem virtuellen Verona macht, ist auch nicht unbedingt S-F, es sei denn, die mitverwobene wissenschaftliche Komponente zwingt uns, anders an die Geschichte heranzugehen.

Man erkennt im allgemeinen S-F, wenn die unterschwellige wissenschaftliche Idee eine Verwandlung oder Erneuerung der Erzählung bewirkt. Der Film "Outland" (mit Sean Connery) ist ein Western, der auf einer Raumstation spielt-ein "OK-Corall" im Weltraum, wenn Sie so wollen. Die leicht fiktive Komponente (hier die Raumstation) ermöglicht es, atemberaubende Aufnahmen einzuflechten und die Ausstattung zu verändern. Sie dient keinem anderen Zweck, und man hätte den gleichen Film in einer anderen Epoche und an einem anderen Ort spielen lassen können, was mehrere Westernfilme beweisen. "Blade Runner" hingegen ist unzweifelhaft Science-fiction, denn die wissenschaftliche Idee mit dem "Replikanten" (künstliches menschliches Wesen) zwingt uns zu einer anderen Sicht des Menschlichen.

In einem Science-fiction-Werk dient die Wissenschaft nicht allein der Verschönerung. Sie ist vielmehr der Zauberstab, der die Erzählung auf eine höhere Ebene versetzt!

 

| Inhaltsverzeichnis | Verlockende Raumanzüge |

bottomimage