Besiedelung des Weltraum

Langzeit-Raumflüge

 

Vignette ViellemardAllzu oft vergessen wir, dass die Wunder, auf die man in SF-Geschichten baut, sich nicht auf die Physik und Technik beschränken, sondern auch Errungenschaften der Biowissenschaften umfassen. Als Beispiel stelle man sich vor, dass die Menschheit schließlich den erdähnlichen, besiedelbaren Planten ausgemacht hat, von dem sie immer
geträumt hat. Der Planet kreist um
einen hübschen kleinen Stern, der einige Lichtjahre von unserem Planeten entfernt ist. Das interstellare Raumschiff steht bereit, aber es gibt ein kleines Problem. In diesem nicht so hypothetischen Universum kann man sich noch nicht schneller als Licht fortbewegen. Die Reise wird zwischen 50 und 100 Jahren dauern. Die Mannschaft wird über 80 sein, wenn sie ihr Ziel erreicht. Die Biowissenschaft kann dieses Problem leicht lösen, indem sie den Menschen zu einer längeren Lebenserwartung verhilft.

Gilles FrancescanoDoch selbst ein SF-Autor würde seinen Lesern nicht die Vorstellung zumuten, dass die Mannschaft gesund und munter ankommt, nachdem sie ein Jahrhundert lang in einem engen Raumschiff durchs Weltall geflogen ist. Auch hier bringt die Biowissenschaft Rettung. Wie in den Romanen "2001: Odyssee im Weltraum" (engl. "2001: A Space Odyssey") von Arthur C. Clarke oder "Heorots Vermächtnis" (engl. "The Legacy of Heorot" von Larry Niven, Jerry Pournelle and Steven Barnes) kann die Mannschaft in Winterschlaf versetzt werden, bis sie ihr Ziel erreicht hat. Das Raumschiff führt auch tiefgekühlte Pflanzen und Tiere (Embryonen) mit sich, die zur Errichtung der Siedlung notwendig sind.

Auch Gentechnik spielt eine Schlüsselrolle in vielen SF-Geschichten über die Erforschung und Besiedelung fremder Planeten, die meistens für menschliches Leben ungeeignet sind. Eine große Aufgabe wird daher sein, sie bewohnbar zu machen bzw. sie zu "terraformen". Gentechnisch veränderte Organismen und Pflanzen werden hierbei wahrscheinlich sehr große Bedeutung haben (siehe "Le reve des forets" von Gerard Klein oder "Venus of Dreams" und "Venus of Shadows" von Pamela Sargent). Wenn "Terraformung" nicht möglich oder zu kostspielig ist, warum dann nicht den Menschen auf gentechnischem Wege dem Leben auf dem fremden Planeten anzupassen? In dem Roman "The Seedling Stars" von James Bush wird eine neue menschliche Spezies durch eine Mischung von Gentechnik und einem mysteriösen Verfahren mit dem Sammelnamen "Pantropy" geschaffen. Diese "angepassten Menschen" sind völlig transformiert, um auf Ganymed, dem eisigen Trabanten des Jupiter, leben zu können: Ihr Blut besteht aus flüssigem Ammoniak, ihre Knochen sind aus Eis IV und ihr Atemzyklus beruht auf der Chemie des Schwefels! Eine solch radikale Veränderung birgt in sich die Gefahr, dass die angepassten Menschen so anders sein könnten, dass sie nicht mehr menschlich sind. In "City" von Clifford D. Simak, sind sie so verschieden, dass sie die Kommunikation mit der guten alten Spezies Mensch aufgeben.

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