Überlegungen zu den Bildern und Ideen der Science-fiction

Patrick Gyger, Maison d'Ailleurs

Conquest of SpaceScience-fiction ist kein Genre, das versucht, die Zukunft vorherzusagen; noch erhebt sie den Anspruch, Konzepte zu entwerfen, die einmal Wirklichkeit werden könnten, und nur gelegentlich lassen sich in der Science-fiction beschriebene Technologien als innovativ bezeichnen.

Science-fiction - meistens sogenannte "harte SF", d.h. die Form der erfinderischen Literatur, die sich dem Schriftsteller Allen Steele zufolge im wesentlichen auf bereits bestehende oder sinnvoll weiterentwickelte Technik stützt, im Unterschied zur "spekulativen Fiktion", in deren Brennpunkt gesellschaftliche Veränderungen stehen - darf Wissenschaft auf spekulative Art und Weise verwenden und zu extrapolieren versuchen, wozu eine bestimmte Technologie möglicherweise verwendet wird.

Doch Wissenschaft dient in der Science-fiction immer als erzählerisches Mittel: Zumeist werden Technologien erfunden, um die Handlung voranzutreiben oder die Personen in eine Situation zu versetzen, die ohne sie nicht denkbar wäre. So schildert z.B. Frank Herbert in "Der Wüstenplanet" (engl. "Dune") u.a. die Besiedelung eines sandbedeckten Planeten. Der Autor will zeigen, wie sich die auf diesem Planeten gelandeten Personen ohne jeden Kontakt zur Außenwelt in dieser Wüste verhalten. Herbert muss daher ein Gerät "erfinden", das es den Leuten ermöglicht, mit einem Mindestmaß an Wasser in der Sandwüste zu leben. So kommt es zum "Destillationsanzug", mit dem sich Körperflüssigkeiten "recyceln" lassen.Schomburg

Science-fiction macht uns auch mit neuen Arten der Verwendung von Technologien vertraut und weckt in uns das Verlangen, sie zu meistern. Science-fiction handelt, obgleich sie eher rational ist, oft von der Sch önheit der Wissenschaft und ihrer Errungenschaften. Sie kann daher die Wissenschaft inspirieren. Der bekannte SF-Schriftsteller Charles Sheffield hat einmal geschrieben: „Zwischen Science-fiction und science fact gibt es einen ständigen Ideenaustausch." Es besteht also tatsächlich ein Dialog zwischen Wissenschaft und Fiktion.

Science-fiction ist auch nicht nur eine Literatur der Ideen, sondern auch der Bilder. Von Cyrano de Bergerac bis Dan Simmons haben Schriftsteller oft mit prächtigen Beschreibungen -außergewöhnliche Landschaften, wundersame Erfindungen und einzigartige Wesen - vor unserem geistigen Auge entstehen lassen. Mit Zeichnungen und Stichen von atemberaubenden Szenen aus dem Text haben Illustratoren die SF-Romane bereichert (man denke z.B. an den genialen Albert Robida zu Beginn des 20. Jahrhunderts). Ab Ende der 20er Jahre haben die Verbreitung des Farbdrucks und das Erscheinen der ausschließlich der Science-fiction gewidmeten amazingGroschenhefte (wie "Amazing Stories" oder "Thrilling
Wonder Stories") es den Illustratoren ermöglicht, auf diesem Gebiet eine immer wichtigere Rolle zu spielen.

Es hat sich so dank schöpferischer Illustratoren wie Frank R. Paul oder Virgil Finlay eine ganz eigene Bildkunst entwickelt. Später hat die Kunst der Illustration auch zur Verschönerung der Taschenbücher beigetragen: Chris Foss, Tim White und Michael Whelan traten mit ihren futuristischen, fantastischen und packenden Darstellungen die Nachfolge der Künstler des sogenannten Goldenen Zeitalters an.

Gilles Francescano, Jeam Tag, Philippe Jozelon, Hubert de Lartigue, Manchu oder Thomas Thiemeyer haben alle unterschiedliche grafische Stile und Techniken. Aber sie lassen uns durch ihre Arbeiten die Atmosphäre ferner Planeten erleben und an neue Horizonte glauben. Neue Welten erwarten uns...

| Inhaltsverzeichnis | Die Erforschung des Weltraums durch Künstler und Schriftsteller |

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