Sonstige Technologien

Virtuelle Realität und Telepräsenz

Virtuelle Realität, Telepräsenz und Fernbeobachtung werden als die verheißungsvollsten Mittel zur optischen Darstellung und Übertragung komplexer Informationen betrachtet. Angesichts der Tatsache, dass Weltraumaktivitäten per se solche Mittel erfordern, bietet die Science-fiction eine Fülle von Impulsen zur Entwicklung der entsprechenden Techniken. Die Erfahrung eines Teleoperateurs (z.B. eines medizinischen Spezialisten) könnte auf einen Roboter oder Menschen vor Ort übertragen werden, der von Kraftfeldern oder einem ferngesteuerten Ektoskelett geleitet wird. Ferngesteuerte Aktivitäten, wie z.B. Bergbau auf einer Mondbasis, werden häufig als "das Nächstbeste nach der tatsächlichen Präsenz" bezeichnet. Die Steigerung des sensorischen Input in den Operateur wird "verstärkte Realität" genannt; hierzu gehören z.B. die Messung physikalischer Eigenschaften wie Radioaktivität, die ein Mensch nicht wahrnehmen würde.

Die hieraus erwachsenden Nutzeffekte sind offensichtlich, wo immer der Mensch in gefährlichen Milieus wie heißen Zonen in Kernkraftwerken, Tiefseebergbau usw. agieren muss. Ein Großteil solcher "Verstärkungen" dürfte nicht nur im Hardware-, sondern vor allem auch im Software-Bereich erfolgen. Virtuelle Realität lässt sich relativ einfach mit Künstlichen-Intelligenz-Systemen verarbeiten, die unnötige Informationen herausfiltern und als virtuelle Helfer in Erscheinung treten. Allerdings warnen manche Autoren vor den Gefahren, die erwachsen könnten, wenn man sich gänzlich auf "Virtuelle Verstärkte Realität" verlässt. In Gesellschaften, in denen moderne Produktionsbedingungen herrschen, stellt sich das gesamte Leben als eine immense Anhäufung von Schauspielen im weitesten Sinne dar: Alles, was unmittelbar gelebt hat, hat sich in eine Scheinwelt zurückgezogen.

FrancescanoDie Science-fiction hat auch die Tele-Operation oder Fernbedienung vorausgesagt mit der von Robert A. Heiniein 1942 in seinem gleichnamigen Roman geprägten Wort "waldo" (Fernbedienung), das in den Sprachgebrauch übernommen wurde, als diese Technik später aufkam. In "Waldo" stellt ein genialer Krüppel, der auf einer Erdumlaufbahn in der Schwerelosigkeit lebt, fest, dass er seine Mitmenschen möglicherweise mehr benötigt als sie ihn. Heiniein hat in seinem Roman den jetzt in hochradioaktiven Milieus, in Forschungsunterseebooten und in der amerikanischen Raumfähre üblichen Telepräsenzgeräten lange vorgegriffen. Kein Artikel über Telepräsenz und virtuelle Realität wäre vollständig, ohne den 1984 erschienen Roman "Neuromancer" von William Gibson zu erwähnen. Computer hatten plötzlich eine "coole" aber gefährliche Dimension - Gibson nannte sie "Cyberspace".

Wenn es um Telepräsenz, Fernbedienung und virtuelle Realität im allgemeinen geht wie in "Asteroid Man" von R.L. Fanthorpe (1960) oder "Daily Life in the Year 3000" (1999) von Robert Sawyer, ist die Begeisterung groß. Aber Telepräsenz und "fernvermittelte Realitäten" bergen auch Gefahren in sich, die ebenfalls in der Science-fiction erörtert werden. In "Gesellschaft des Spektakels" führt Guy Debord eine Reihe von Gründen an, warum und wie Telepräsenz und virtuelle Realität die Gesellschaft negativ zu beeinflussen beginnt. Der SF-Film "Telepräsenz" dreht sich um die Leute eines kleinen militärischen Außenpostens, von denen mehrere unter Tausenden von Asteroiden verstreut sind. Die Gruppe bekämpft den Feind durch "telepresencing", wozu sie ferngesteuerte Angriffsroboter einsetzt, die mit den Soldaten über Implantate in der Hirnrinde verbunden sind. Irgendwann wird den Leuten bewusst, dass ihre Implantate zu mutieren begonnen haben und sich beträchtlich auf ihr Freizeitleben auswirken, was sich in gesteigerter Aggressivität äußert. In der Kurzgeschichte "The Next Best Thing to Being There" beschreibt Mike Combs das Problem einer Fernbetriebsbasis am Südpol des Mondes. Die dort tätigen Teleoperateure, die Roboter mit Hilfe "verstärkter Realität" betreiben, fallen durch erhöhte Aggressivität auf.

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